{"id":235,"date":"2010-01-17T18:28:07","date_gmt":"2010-01-17T15:28:07","guid":{"rendered":"http:\/\/volokhov.ru\/site\/?page_id=235"},"modified":"2025-08-28T23:34:18","modified_gmt":"2025-08-28T19:34:18","slug":"%d0%bf%d1%80%d0%b5%d1%81%d1%81%d0%b0-%d0%b3%d0%b5%d1%80%d0%bc%d0%b0%d0%bd%d0%b8%d0%b8","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/volokhov.net\/?page_id=235","title":{"rendered":"\u041f\u0440\u0435\u0441\u0441\u0430 \u0413\u0435\u0440\u043c\u0430\u043d\u0438\u0438 (German press)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Argumente und Fakten<\/strong><br \/>\n<strong>27.12.20<\/strong><\/p>\n<h1>Leben in obsz\u00f6ne Ausdr\u00fccke<\/h1>\n<p>Lasst den Journalisten den Mund halten. Ich pr\u00e4sentiere euch nun die Rede eines sehr ber\u00fchmten Dramatikers. Fast schon Prominente. Der Name wird unten ver\u00f6ffentlicht. H\u00f6rt euch zun\u00e4chst die Grundsatzerkl\u00e4rung an, die mir gegeben wurde, anstatt Antworten auf meine m\u00f6glichen Fragen zu erhalten\u2026<\/p>\n<p>\u2026\u00dcber Schimpfw\u00f6rter in der Literatur<\/p>\n<p>Fluchen ist eine sehr ernste Sache. Ihre Ernsthaftigkeit zeigt sich im kritischen Moment, in dem es verwendet wird. Nat\u00fcrlich wird Fluchen, genau wie Beleidigungen, vulgarisiert, aber das beruht auf einem v\u00f6lligen Missverst\u00e4ndnis des Fluchens als Prinzip. Fluchen ist sehr geizig mit Ausdr\u00fccken, aber es ist ein erhabenes, weitreichendes Konzept, das \u2013 wohlgemerkt \u2013 mathematische Kriterien in sich tr\u00e4gt, sagen wir: drei-, f\u00fcnfst\u00f6ckige Schimpfw\u00f6rter zu fluchen. Fluchen enth\u00e4lt den Begriff des Wortes Atom, Meta, Tod, Metaphysik. Es ist sehr konzertiert, und wenn ein Mensch eine gewisse Peinlichkeit, enorme Spannung erlebt, wenn er in ein so klares Raster ger\u00e4t,\u00a0wird\u00a0Fluchen f\u00fcr ihn zu einem angemessenen Ausdrucksmittel. Aber die Verwendung solcher Worte ist ein sehr ernstes Ma\u00df an Verantwortung. Denn grunds\u00e4tzlich liegt das Fluchen im Reich des Schweigens \u2013 dieser heiligen Handlung. Es kann unausgesprochen bleiben, denn es ist eine Wortform der Hoffnungslosigkeit. Fluchen ist ein heiliges Wort. Ein starkes St\u00fcck hat keine Angst vor heiligen Worten \u2013 es ist ihnen gewachsen. Wer einem St\u00fcck mit einem \u201eBed\u00fcrfnis nach Wahrheit\u201c zuh\u00f6rt, akzeptiert das Bed\u00fcrfnis nach angemessenen, starken Worten. In der wahren Kunst, insbesondere im Drama, wird das Werk aus den nat\u00fcrlichen S\u00e4ften der Sprache geformt. Nicht umsonst hat man im Theater bei talentloser, grauer Kunst das Gef\u00fchl, verflucht zu sein, ohne zu fluchen. Denn Fluchen ist der letzte extreme Hinweis, wie man aus einer Situation und einem Chaos herauskommt, das immer eine konkrete Bedeutung hat.\u00a0Sprache\u00a0kennt keine Sackgassen \u2013 sie ist ein Universum, aus dem es immer einen Ausweg gibt. Und das ist die Essenz. Es gibt keine S\u00fcnde \u2013 es gibt Sterilit\u00e4t des Geistes. Und Fluchen ist der\u00a0Schl\u00fcsselhinweis\u00a0zum Ausweg aus einer Situation: die Geburt eines Bildes, worin die S\u00fcnde besteht. Und man muss sich Schimpfw\u00f6rter anh\u00f6ren k\u00f6nnen. Alles andere ist erstunken und erlogen.<\/p>\n<p>&#8230;Von der hohen Mission des Theaters<\/p>\n<p>Wir haben eine gemeinsame, vulg\u00e4re Sichtweise auf das Fluchen. Wenn Fluchen ohne Bedeutung interpretiert wird, ohne bildliche Anwendung auf diese oder jene Tatsache, verliert es seine Bedeutung. Doch in Wirklichkeit ist nicht das Fluchen selbst besch\u00e4mend, sondern die Tatsache, dass es das Versagen des Einzelnen offenbart. In einem bedeutungsvollen\u00a0Theatertempel<wbr \/>\u00a0wird der Prozess der menschlichen Reinigung durch den kreativen Plan des Fluchens erreicht \u2013 seine heilige Bedeutung. Fluchen ist eine Situation, in der ein Ereignis am treffendsten durch menschliche Worte beschrieben wird. Daher ist es unparteiisch, ber\u00fchrt Augen und Ohren und ist die nackteste Form menschlicher Kommunikation. Deshalb muss Fluchen verantwortungsvoll und genau sein. Es muss erlernt, verstanden und mit den h\u00f6chsten Manifestationen des menschlichen Geistes in Verbindung gebracht werden. Je mehr wir ihm zuh\u00f6ren, desto genauer und pr\u00e4ziser ist es \u2013 desto schneller werden wir unsere Fehler los. Wer sinnlos fluchte, tadelte sich selbst. Aber wenn du mit Bedeutung gehst \u2013 \u201enackt, die Eier knacken\u201c \u2013, hast du bereits auf einige Defizite in der Gesellschaft hingewiesen, auf das, was uns fehlt.<\/p>\n<p>Fluchen ist in erster Linie eine theatralische Handlung. Scham sch\u00fctzt die\u00a0Nackten.\u00a0Und es gibt ein Konzept der Scham \u2013 kein Fluchen bleibt haften. Und Fluchen bleibt haften an jemandem, der \u2026 eine S\u00fcnde begangen hat.<\/p>\n<p>&#8230;\u00dcber den Umgang mit Problemen<\/p>\n<p>WEIL Probleme nicht erlebt werden. Probleme werden ausgelebt. Das ist die Essenz des Fluchens. Es strebt nach Selbstzerst\u00f6rung \u2013 es ist an Selbstaufopferung gew\u00f6hnt, an das Ausleben seiner selbst. Und indem wir es mit Respekt behandeln, erkennen wir unser Recht an, die S\u00fcnde zu sehen, sie zu benennen, Bu\u00dfe zu tun, sie zu durchleben und auszuleben.<\/p>\n<p>P.S. Nun darf ich Ihnen vorstellen: den Dramatiker\u00a0Wolochov.\u00a0Eine europ\u00e4ische Ber\u00fchmtheit. In Europa genie\u00dft er fast den Ruhm eines Ionesco. In Moskau wurde er erst durch das Skandalst\u00fcck \u00abBlindekuh\u00bb (der Text bestand fast ausschlie\u00dflich aus Schimpfw\u00f6rtern) und das nicht minder scharfe neue St\u00fcck \u00abTschikatilos Exekution\u00bb (Regie: Andrei Schitinkin) ber\u00fchmt. In seinen St\u00fccken ist der Dramatiker Wolochow ein Rebell, ein konzeptioneller Autor mit einer wahrhaft\u00a0shakespearehaften\u00a0<wbr \/>Intensit\u00e4t der Leidenschaften, der durch die Direktheit seiner Wortwahl und eine wahrhaft\u00a0dostojewskische\u00a0<wbr \/>Bandbreite verdammter Fragen erzittert, denen er den Zuschauer nicht entgehen l\u00e4sst. Auf der B\u00fchne beweist jedes St\u00fcck Wolochows dem Zuschauer \u00fcberzeugend, dass es, egal wie man rennt, kein Entkommen vor der Frage \u201eSein oder Nichtsein?\u201c gibt. Man muss f\u00fcr die Fehler seiner Vorfahren bezahlen und sich f\u00fcr die Geschichte verantworten, die nicht von uns gemacht wurde. Und das tut nat\u00fcrlich weh. Denn es kann nicht anders, als wehzutun, wenn einem die Erkenntnis der Schuld ohne Bet\u00e4ubung eingeh\u00e4mmert wird\u2026<\/p>\n<p>Der einzige Trost dabei ist, dass der Dramatiker Wolochow im Leben unglaublich zivilisiert ist \u2013 er l\u00e4uft Marathons,\u00a0fastet\u00a0nach dem Bragg-System und achtet sorgf\u00e4ltig auf seine Gesundheit. Er ist modisch gekleidet, hat einen gepflegten Haarschnitt und tr\u00e4gt einen Rucksack auf dem R\u00fccken&#8230; Im Leben ist Wolochow ein ewiger Eurostudent, der seine Zeit in philosophischen Pariser Caf\u00e9s verbringt, mit fortschrittlichen franz\u00f6sischen Intellektuellen verkehrt und seine Sommerferien an der C\u00f4te d&#8217;Azur verbringt. Und seine Frau ist nat\u00fcrlich Franz\u00f6sin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><span style=\"font-weight: normal;\">S\u00fcddeutsche Zeitung<\/span><\/h1>\n<h2><strong>Der Kampf ums Leben<\/strong><\/h2>\n<p><strong>\u00abVersteckspiel mit dem Tod\u00bb von Michail Wolochow in Paris<\/strong><\/p>\n<p>Im Centre dramatique national der Pariser.\u00a0\u00a0 Vorstadt Gennevilliers hat Bernard Sobel \u00abCache-Cache avec la Mort\u00bb von Michail Wolochow in szeniert. Wir entdecken mit einiger Versp\u00e4tung ein neuartiges St\u00fcck von explosiver Kraft, das der 1955 in Kasachstan geborene Dramatiker 1987, kurz nach seiner \u00dcbersiedlung nach Paris,- geschrieben hat.<\/p>\n<p><strong>Eine franz\u00f6sische Version<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die \u00dcbersetzer bot der in \u00abMat\u00bb, dem monomanisch obsz\u00f6nen Slang der russischen Unterwelt, verfasste\u00a0\u00a0 Text enorme Schwierigkeiten, Die antisemitischen Verw\u00fcnschungen, von denen der Text strout, lassen sich zwar ins Franz\u00f6sische \u00fcbertragen, aber jedes Volk hat seine speziellen Fl\u00fcche und fixen Ideen. Wichtig ist zu wissen, dass \u00abMat\u00bb auch als Waffe gegen den Kommunismus eingesetzt wurde und dass diese Sprache (die urspr\u00fcnglich der Beschw\u00f6rung der b\u00f6sen Waldgeister gegolten haben soll) heute nicht nur im Gef\u00e4ngmsrnilieu, sondern auch von jungen Leuten gebraucht wird.<\/p>\n<p>Schauplatz des Zweipersoncnst\u00dccks ist ein Krankenhaus f\u00fcr hochgestellte Apparatschiks des KGB, wo Arkadi, ein ukrainischer<br \/>\nProletarier, und Felix, ein j\u00fcdischer Intellektueller und heruntergekommener Dichter, als W\u00e4chter und Feuerwehrmann angestellt sind. Zeit der Hand\u00a0 lung ist die Mitte der achtziger Jahre. Durch eine, F\u00fclle von<br \/>\nGeschichten \u00fcber sexuelle Brutalit\u00e4ten und Mordtaten zeigt der. Dialog zwischen beiden M\u00e4nnern die Situation einer kranken Ge sellschaft, in der alle Formen<br \/>\nmenschlicher Beziehungen verzerrt sind und das<br \/>\nRechtsempfinden v\u00f6llig verdreht ist, in der sich der Kampf ums Leben auf ein \u00abVersteckspicl mit dem Tod\u00bb reduziert.<\/p>\n<p>Der B\u00fchnenbildner Nicky Rieti hat einen makabren Raum eingerichtet: eine Art von riesi gem Heizungskeller mit grauen Rohren, wo links ein Haufen schmutziger und ziemlich unbrauch bar wirkender Feuerl\u00f6scher liegt. Rechts stehen zwei verschlissene Klubsessel, ein Fernsehger\u00e4t, auf dem ein stummes Nachrichtenprogramm ab l\u00e4uft, und ein alter Eisschrank. Der Saal bleibt zu erst hell erleuchtet, so dass der Zuschauer sich im gleichen Raum eingeschlossen f\u00fchlt wie Arkadi und Felix, die von einem Raubzug in die Kran-kenhausk\u00fccfae zur\u00fcckkehren. Dann wird die Be leuchtung zunehmend schw\u00e4cher und das Spiel undurchsichtiger. Vergebens versuchen wir aus den immer aggressiver werdenden Worten des je weils im bellen Lichtkegel Erscheinenden Klar heit \u00fcber die Vorg\u00e4nge zu gewinnen, welche die immer auswegloser erscheinende gegenw\u00e4rtige Situation erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Der Regisseur Bemard Sobel legt den Akzent auf die psychologische.<\/p>\n<p>Durchdringung der Charaktere und fand mit Hugues Quester (Felix) und Denis Lavant (Arkadi) zwei sensible Darsteller. Sobel ist heute der letzte franz\u00f6sische Intendant, der sich zur Kommunistischen Partei bekennt. Seine text-getreue Inszenierung zeigt Selbstironic und l\u00e4sst nihilistische Hoffnungslosigkeit, aber auch schw\u00e4rmerische Begeisterung f\u00fcr eine verlorene Utopie sp\u00fcren.<\/p>\n<p><strong>Ein russisches Gastspiel<\/strong><\/p>\n<p>Wolochow, der Autor des St\u00fccks, hat von innen Einblick in die Nomenklatura und die dunklen Gesch\u00e4fte der Mafia gewonnen. Seine Forscher-karriere scheiterte am Antisemitismus. In den achtziger Jahren wurde er in der Moskauer Undergroundszene als Schriftsteller ein Begriff aber erst 1992 wurde zum erstenmal eines seiner Stucke in einer russischen Zeitschrift ver\u00f6ffent licht. Amateure spielten bereits 1990 \u00abVersteck-spiel mit dem Tod\u00bb. Aber die erste professionelle Aufluhrung dieses St\u00fccks fand erst 1993 im Mossoviet-Theater in Moskau statt in der Be arbeitung und Inszenierung von Andrei Gitinkin mit zwei renommierten Schauspielern aus dem Lenkom-Theater Sergei Tschonischvili (Felix) und Andrei Sokolow (Arkadi), der aus Filmen, darunter \u00abDie kleine Vera\u00bb, bekannt ist.<\/p>\n<p>Ein kurzes Gastspiel dieser Produktion in Paris wurde organisiert, und man hatte Gelegenheit, in Gennevilliers auf der gleichen B\u00fchne auch die russische Inszenierung zu sehen. Schauplatz ist hier eine Leichenhalle, in der Mitte der B\u00fchne stehen eine Bahre, einige St\u00fchle mit Kunststoff-h\u00fcllcn und ein Telefon. Trotz der noch morbide ren Atmosph\u00e4re als in der franz\u00f6sischen Inszenie rung ist die Auff\u00fchrung der Russen, die das Ganze als tragische Farce auffassen, humorvoller. Sie ist aber auch wesentlich gewaltt\u00e4tiger.<\/p>\n<p>Die Roheit wird ebenso konkret dargestellt wie die unerm\u00fcdliche Sorge um Essen und Trinken, Arkadi und Felix sind einander st\u00e4ndig k\u00f6rperlich nahe und h\u00e4ngen zuweilen mittels irgendeines Gegenstandes wie Kettensklaven aneinander. Am Schluss bringt sich Felix mit dem Rasiermesser um. So ist ihm der Ausweg verwehrt, auf den Wolochow in seinem St\u00fcck verweist. Felix kann sich nicht durch das blosse \u00abAusdenken von Mor den\u00bb am Leben halten in einer totalit\u00e4ren Gesell schaft, in der als Tat nur das T\u00f6ten bleibt. Die Russen zeigen hier, wie ihr Regisseur vor der Pariser Vorstellung sagte, \u00abdie verlorene Genera tion unserer Tage\u00bb. Durch die szenische Darstel lung versuchen sie, das Ausmass der Deformation zu verstehen, die das Bewusstsein der Gesell schaft in der ehemaligen Sowjetunion erlitten hat. Die Reaktion des Publikums in Moskau war, wie Gitinkin berichtete, ein \u00abtotaler Schock\u00bb.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Dagmar Sinz<\/strong><\/em><\/p>\n<h1><span style=\"font-weight: normal;\">EUROPA<\/span><\/h1>\n<h2><strong>Pariser Eintdeckungen<\/strong><\/h2>\n<p>&#8230;Zweite Entdeckung: Michael Wolochows n\u00e4chtliches ..Versteckspiel mit dem Tod&#187;. Bernard Sobel brachte es in seinem Theater in Gennevilliers heraus. Es stammt aus dem Jahr 1990, drei Jahre, nachdem sein Au tor m Frankreich die Niederlassung bekommen hatte. Das St\u00fcck berich tet von Zust\u00e4nden aus Gorbatschows Regierungszeit. Im Keller eines KGB-Krankenhauses haben die Feuerwehrleute Arkadi, der kopflose Aufbrauser, genannt der Ukrainer, und Felix, genannt der Jude. Nacht dienst. Was ihr unfl\u00e4tiger Rotwelschdialog offenlegt, ist die schranken lose Verbiegbarkeit des Menschen. Felix, zynischer Lageberechner hat Arkadi zu einem Mord angestiftet. Die unsichtbare Leiche liegt, bildlich gesprochen, wie eine Keule in Felix Hand: Arkadi gew\u00e4rtigt, da\u00df er sie ihm jeden Moment \u00fcberzieht. Underdogs sind beide, nur versteht Felix, sich eine vorteilhafte Identit\u00e4t auf den Hut zu stecken: Er ist beschimp fungsw\u00fcrdiger Jude und spielt sich zugleich als KGB-Mitglied auf. Als solchen himmelt ihn Arkadi an: auch er m\u00f6chte KGB-Mann werden, und damit teilhaftig dessen, was der Kommunismus laut Felix verleiht: \u201eSeelenfrieden&#187;. Anpassungsrituale laufen nun ab: wir wohnen der frei willigen Umwandlung eines Mannes in einen Fu\u00dfabstreifer bei. Bis Felix mit einem Satz seine angebliche Identit\u00e4t zeitgcrccht ver\u00e4ndert: zur CIA gibt er vor zu geh\u00f6ren. Arkadi schnappt auch nach diesem Lockvogel. Seine totale Selbslpreisgnbe besteht am Schlu\u00df in der Einrei bung unter die Schwulen. Die beiden ziehen sich Strumpfhosen als neue Haut \u00fcber. Aber dabei kommt die ausweglose Schamlosigkeit der Rede des ersten Teils ins Lahmen. Niedertracht. Vcrderbtheit und Korruptheit sollen gewisserma\u00dfen totalisiert werden. Da w\u00e4re weniger mehr gewe sen. Sobel zieht aber vom ersten Augenblick an die Z\u00fcgel straff. Die Obsz\u00f6nit\u00e4ten geben sich in seiner Inszenierung als Stilelemcnt zu erken nen. Sie bezeugen die Ohnmacht der Redenden inmitten von Nicky Rie ds mannshohen gekr\u00fcmmten Heizungsrohren in dem schwarzen Keller-cescho\u00df, dem sie nicht entweichen werden. Randvoll von Frust gestiku lieren sie unentwegt in dieser Einspcrnmg. Die Schauspieler, die diese ausweglose Manie wiederzugeben haben, machen daraus keinen Augen blick einen Tick. Nie schinden sie Eindruck. Sie sind verbissen bei der Sache: Empfindung haben sie langst hinter sich gelassen. Verstauchung des Menschseins f\u00fcllt die ganze B\u00fchne aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"font-weight: normal;\"><strong>G. Schlocer<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n<h1><span style=\"font-weight: normal;\">S\u00fcddeutsche Zeitung<\/span><\/h1>\n<h2><strong>Wo\u2019s&#8217;nicht biegt, da bricht&#8217;s<\/strong><\/h2>\n<p><strong><em>Spielzeiter\u00f6ffnung in Bochum mit Ibsen und Volochow<br \/>\n<strong>Deutsche Erstauff\u00fchrung<\/strong><\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Michail Volochov<br \/>\nBLINDEKUH<\/strong><\/p>\n<p>&#8230;Der intellektuelle schwule j\u00fcdische Feuerwehrmann Felix und der etwas grobschl\u00e4chtige und schwarzmarkterfahrene ukrainischel Pf\u00f6rtner Arkadi, beide kurz vorm Untergang der Sowjetmacht auf gemeinsamen Posten im Wachraum des Moskauer KGB-Kranken-hauses, vertreiben.sich die Zeit mit einem undurchsichtigen, bruta\u00a0 len Spiel: R\u00fcckgratfahndung, Pers\u00f6nlichkeitsaustreibung. Was we gen dem bewu\u00dft \u00fcberstrapazierten Kloakejargon, die \u201eKrankenhausw\u00e4chter&#187; Armin\u00a0 Rohde\u00a0\u00a0 und Michael\u00a0\u00a0 Weber\u00a0 anstimmen, zun\u00e4chst als aufdringliches Milieust\u00fcck zu beginnen scheint, entpuppt sich als atemberaubende Vorf\u00fchrung und Blo\u00dfstellung einer\u00a0kompromi\u00dflosen Anpassung an das jeweils machthabende System.\u00a0Eine Rundumbiegung: Unterwerfung funktioniert l\u00e4ngst ohne\u00a0\u201eBrechen&#187;. BLINDEKUH ist eine Endeckung. Ein wilder Schrei:\u00a0gegen die Seelenbiegung.<\/p>\n<p>Was wegen dem bewu\u00dft \u00fcberstrapa zierten Kloakejargon, den die \u201eKranken-hausw\u00e4chter Armin Rode und Michael Veber anstimmen &#8212; zun\u00e4chst als aufdringliches Miliestuck zu beginnen scheint, tntpuppt sich mit der Zeit als atemberaubende Vorf\u00fchrung und Blo\u00dfstellung einer kompromi\u00dfloser. Anpassung an das jeweils machthacende System. Eine rundumbiegung: Unterwerfung funktioniert l\u00e4ngst ohne\u00a0\u00abBrehen\u00bb. Felix, der\u00a0\u00abBiindekuh\u00bb\u00a0nicht nur mit Arkadi, sondern vor allem auch mit dem Publikum spielt, nimmt eine Maske nach der anderen abdoch welches Gesicht sein wahres ist, bleibt ungewi\u00df.<\/p>\n<p>Regisseur \u00dfernard Sobel inszenierte\u00a0\u00abBlindekuh\u00bb\u00a0\u00a0von einem halben Jahr bereits in Paris fur das Bochumer Schau\u00ad spielhaus hat Dramaturg Dieter Welke\u00a0das \u00fcberraschend weltg\u00fcltige St\u00fcck des hierzulande bisiang unbekannten sowjetischen Gegenwartsautoren eigens ins Deutsche \u00fcbersetzt. Eine Entdeckung:\u00a0Ein wilder Schrei: gegen die Seelenbie\u00a0 gung.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Mathias Pees<\/strong><\/em><\/p>\n<h1><span style=\"font-weight: normal;\">THEATER HEUTE<\/span><\/h1>\n<p><strong>Saisonstart\u00a0 Bochum<\/strong><\/p>\n<p><strong>Premiere von Volochovs\u00a0\u00abBlindekuh\u00bb<\/strong><\/p>\n<h2><strong>W\u00fcster Kampf um Moral und Anstand<\/strong><\/h2>\n<p><strong><span style=\"font-weight: normal;\">Moskau, im sch\u00e4bigen Wach raum\u00a0 eines\u00a0 Krankenhauses des KGB \u2014eine Tristesse, die gut in das Kellergew\u00f6lbe des Theater Unten pabt. Michail Volochovs \u201eBlindekuh&#187; hatte\u00a0 am Samstag Premiere. \u201eHart&#187; sollte es werden, hatte Dra maturg\u00a0\u00a0 Dieter\u00a0 Welke\u00a0 versprochen, und et hielt Wort. \u00dcber zwei Stunden verfolgten die Zuschauer einen Selbst-zerfleischungsproze\u00df zweier Menschen, der sich in un-barmherzigen Beschimpf\u00fcn-gen, zarten\u00a0 Ann\u00e4herungen und wilden Geschichten zwischen Wahrheit und Fiktion ergo\u00df. Deftig war ihr Voka bular, doch das schien ange messen. \u00a0Kaum\u00a0 vorstellbar, da\u00df sich diese Menschen\u00a0 anders als in brutalem Jargon \u00a0miteinander unterhalten sollten.<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Michael Weber und Armin Rohde, die den langen Text Innerhalb\u00a0 weniger Wochen paukten, lieferten sich einen \u00fcberzeugenden Nervenkrieg, in dem es zwischen den knall harten Worten um Moral, Kunst und Liebe ging. Vordergr\u00fcndig l\u00e4\u00dft sich Ar kadi, ein kleiner Dieb, antisemitisch, skrupellos und unheilbar opportunistisch, fortw\u00e4hrend von Felix (Armin Rohde) verfuhren. F\u00fcr Kohle\u00a0 tut Arkadi alles, \u201edu fragst \u00a0doch nicht oben bei Deinem Hirn&#187; mu\u00df er sich sagen lassen. Am Ende ist er sogar bereit, ein richtiger Jude zu werden, der Gipfel seiner Wendehalsigkeit Das\u00a0 Verwirr&#8217;spiel, in das ihn der gebildete Felix hineinzieht, ist f\u00fcr ihn, den Intellektuellen, ein Beispiel seiner Kunst. Am Ende &#171;fordert er Arkadi, den ukrainischen Arschkriecher auf, ihn, der noch einen Rest an &#171;Selbstachtung besitzt, umzubrihgen..&#187;Man darf sich nicht\u00a0 verfr\u00fchst\u00fccken lassen&#187;, das\u00a0 Felix Devise.<\/p>\n<p>Die eigentliche Geschichte der beiden Russen, die im zerberstenden : Kommunismus Ende der 80er nach festem Boden suchen, ist nicht so wichtig. Ihr Kampf um Moral rund Menschlichkeit geht weit \u00fcber Moskaus Grenzen hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Ruhrnachrichten<\/strong><\/em><\/p>\n<h1><span style=\"font-weight: normal;\">Westdeutsche Zeitung<\/span><\/h1>\n<h2><strong>Was der Jude ist<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Bochum \u2013 Volochows \u00abBlindekuh\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>Von unserer Mitarbeiterin <em>Eva Pfister<\/em><\/p>\n<p>Bochum. La der Zeit der Perestroijka, im Jahr 1990, spielte das Improvisationstheater in Moskau das St\u00fcck \u201eBlinde kuh&#187;. Sein Autor, Michail Volochov, lebte seit 1987 in Paris. Er verk\u00fcndete in \u201eBlindekuh&#187; eine klare Botschaft: Die Men schen in der\u00a0 Sowjetu\u00fcnion kann man nicht umgestalten.<\/p>\n<p>Oder doch: Man kann sie sogar sehr leicht umbauen.\u00a0 F\u00fcr ein paar Rubel kann man aus ihnen alles\u00a0 machen:\u00a0 M\u00f6rder\u00a0\u00a0 oder Agenten. Schwule oder Juden. Regisseur\u00a0\u00a0 Bernard\u00a0\u00a0 Sobel\u00a0\u00a0 hat, Blindekuh im Februar in Pa ris aufgef\u00fchrt und jetzt in Bo chum\u00a0\u00a0 auf deutsch\u00a0\u00a0 inszeniert. Wir befinden uns auf Nachtwa che im Keller eines KGB-Kran-kenhauses: Der einf\u00e4ltige ukrai nische Afghanistan-Veteran Ar-kadi ist f\u00fcr die Pfone zust\u00e4ndig, der verkrachte j\u00fcdische Schrift steller\u00a0 Felix f\u00fcr\u00a0 die\u00a0\u00a0 Feuerl\u00f6 scher. Der Umgangston ist r\u00fcde, der Streit allt\u00e4glich. Doch bald wird klar, da\u00df Felix mit dem Genossen spielt, wobei er sich versteckt h\u00e4lt, w\u00e4hrend Arkadi in alle Fallen tappt. Er bringt f\u00fcr 500 Rubel jemanden um, er l\u00e4\u00dft sich in treuem Glau ben vom KGB anheuern, gr\u00e4bt daf\u00fcr sogar seine kommunisti sche\u00a0\u00a0 Gesinnung\u00a0\u00a0 wieder\u00a0\u00a0 aus, wechselt bruchlos zum GIA und st\u00fclpt sich dann sogar die Iden tit\u00e4t seiner gr\u00f6\u00dften Feindbilder \u00fcber: Er l\u00e4\u00dft sich zum Juden und zum Schwulen machen. Felix hingegen ist vielleicht gar kein Jude,\u00a0 er enth\u00fcllt\u00a0 immer neue Identit\u00e4ten wie eine russi sche Steckpuppe. Jedenfalls ist er als\u00a0 Intellektueller mit dem Fluch der Hellsichtigkeit\u00a0\u00a0 ge schlagen,\u00a0 ein\u00a0 Zyniker,\u00a0 der an seinen\u00a0 Einsichten\u00a0\u00a0 verzweifelt. Armin Rohde spielt diesen Felix sehr\u00a0 \u00fcberzeugend\u00a0 mit\u00a0 einem nachl\u00e4ssigen\u00a0\u00a0 Gestus,\u00a0\u00a0 w\u00e4hrend Michael Weber seinen Arkadi beinahe clownesk aufdreht. Bernard Sobel sieht in diesem Perestroijka-St\u00fcck wohl\u00a0 eine Studie \u00fcber Antisemitismus, der ja in der zerfallenden Sowjet union aufbl\u00fchte. Ausstatter Nicky Rieti kleidete Felix in ei nen\u00a0\u00a0 schwarzen\u00a0\u00a0 Mantel\u00a0\u00a0\u00a0 mit Samtkragen, den Genossen in eine Soldatenuniform. Aber die Pelzm\u00fctzen der beiden entpuppen sich bei genauerem Hinse hen\u00a0 eher\u00a0 als Rabbinerm\u00fctzen denn als Capkas. Wer hier Jude; ist, wei\u00df man am Ende nicht mehr, wohl aber, was \u201eder Jude&#187; ist und wof\u00fcr er steht. Ein\u00a0 spannender Abend\u00a0 ist\u00a0 in Bochum zu besichtigen.<\/p>\n<p><strong>Im\u00a0 Schattenreich des KGB<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bochum: Michail Volochovs\u00a0\u00abBlindekuh\u00bb\u00a0erstaufgef\u00fchrt<\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-weight: normal;\">Zwei M\u00e4nner Im unwirtlichen Wachraum eines russischen KGB-Krankenhauses zur Zelt der Perestralka. Der eine Malocher-Typ, der andere versucht sich als Dichter. Sie schieben Nacht schicht, und unbttndiger HaB des einen gegen den anderen w\u00fctet offenbar In Ihnen. Sie be schimpfen sich in einer katastrophalen Tr\u00fcmmersprache auf Immer ekligere Welse: antlseml-tisch und Inhuman. Zwei \u201eUnderdogs&#187; In einer \u00dcbergangsgesellschaft, die zwischen dem gepre digten Hell des Kommunismus und den Verhei\u00dfungen des Kapitalismus schwankt.<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Autor Michail Volochov, dessen\u00a0 Zweipersonenst\u00fcck \u201eBlindekuh&#187; im\u00a0\u00a0 Bochumer \u201eTheater unten&#187; als deutsche Erstauff\u00fchrung Premiere hat te, \u00fcberdreht die monstr\u00f6se Beleidigungsmaschine Jedoch derart, da\u00df die Unfl\u00e4tigkeitenteilweise nur noch lustig und nicht mehr be\u00e4ngstigend den\u00a0 zerst\u00f6rten Charakter der beiden Anti-Helden beschreiben. Doch das w\u00e4re der \u00a0geringste Einwand.<\/p>\n<p>Als Psycho-Studie zweier in eine Wendezeit Versprengter, weckt das Sprach-Duell zu Anfang Neugierde. Aber dem Autor liegt letztlich nicht an den. Portr\u00e4ts von sozialem Strandgut oder den Auswir kungen von gro\u00dfer Politik auf kleine Leute.<\/p>\n<p>Das zun\u00e4chst aufmerksamkritisch zwischen Bukowski und Bild-Zeitung angesiedelte Panorama verengt sich im Verlauf der Inszenierung zu einem ziemlich m\u00fcden Agen-tenplot \u00dcber KGB- und CIA-Organisation\u00bb- und Verhal tensmuster, versetzt mit ver querem, wohl kabarettistisch gemeintem Unterton, Das kommt in der Regie von Hernard Sobel recht bem\u00fcht daher und l\u00e4\u00dft den Zuschauer bei aller Drastik weitgehend unbeteiligt.<\/p>\n<p>Die beiden, hervorragenden Darsteller Michael Weber als wankelw\u00fctiger Arkadi, und Armin Rohde als abgewichstvulgarer Rollenspieler Felix<br \/>\nversuchen mit bemerkens\u00a0 werter Intensit\u00e4t, der Mixtur aus Funktion\u00e4rsgeschnatter und Schimpfkanonade anr\u00fch rendes Leben einzuhauchen. Vergeblich. Zu, sehen, sind nur Abziehbilder aus einem naiv versimpelten Schattenreich der Geheimdienste.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-weight: normal;\"><em><strong>Werner Streletz<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<h1><strong><span style=\"font-weight: normal;\">Recklinghauser Zeitung<\/span><\/strong><\/h1>\n<h2><strong>Eine verkomene Gesellschaft<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Deutsche Erstauff\u00fchrung von Volochovs St\u00fcck \u00abBlindekuh\u00bb\u00a0in Bochum<\/strong><\/p>\n<p>Die Sowjetunion am Ausgang der 80er Jahre. Endzeit eines Impe riums. Die Macht zerfallt. Noch ist unklar, wem sie k\u00fcnftig geh\u00f6ren wird. Nur eines ist sicher: Das Volk, jahrzehntelang im Umgang mit den alten Eliten ge\u00fcbt, mu\u00df sich neu orientieren. In dieser. Zeit des Umbruchs spielt Michail Volochovs 2-Personen-St\u00fcck \u201eBlindekuh&#187;. Arkadi (Michael Weber) und Felix (Armin Rohde) arbeiten nachts als Wach m\u00e4nner in einem Krankenhaus des KGB, das so etwas wie die letzte Heimat ist f\u00fcr abgehalfterte Geheim-diensthelden, um die sich keiner\u00a0 mehr k\u00fcmmert. Die von Nicki Rieti eingerichtete. \u00a0B\u00fchne zeigt den Aufenthaltsraum der Wachleute, einen herunterge kommenen Lagerraum. Den.Fu\u00dfboden bedecken Wasserlachen, im Hintergrund stehen Feuerl\u00f6scher, am B\u00fchnenrand zwei zerschlissene Sessel vor einem Fernseher. Hier fechten sie brutale Wortattacken aus, in der obsz\u00f6nen\u00a0 Sprache der Unter schicht. Volochovs St\u00fcck zeichnet das Bild\u00a0\u00a0 einer\u00a0\u00a0 verkommenen\u00a0\u00a0 Gesellschaft, die vom Kampf ums \u00dcberleben mo- rausch\u00a0\u00a0 aufgezehrt\u00a0\u00a0 ist.\u00a0\u00a0 Nichts\u00a0\u00a0 ist selbstverst\u00e4ndlich: Um Allt\u00e4gliches, wie Wohnung \u00f6der Essen, mu\u00df st\u00e4n dig-neu gerungen werden. Das hat Spuren hinterlassen. Arkadi, der ein fache Schlosser,\u00a0 ist nur noch die H\u00fclle eines Menschen. Er ist bereit, jede\u00a0\u00a0 beliebige\u00a0\u00a0 Identit\u00e4t\u00a0\u00a0 anzuneh men,.die den Herrschenden &#8212; jedenfalls denen, die er f\u00fcr die Herrschen den h\u00e4lt\u00bb gef\u00e4llt: Kommunist, Kapitalist, KGB-Agent, CIA-Agent, Jude, Schwuler &#8212; egal.\u00a0Wenn es\u00a0sein mu\u00df, alle zusammen. Dieses Mal will, er \u00a0auf jeden Fall auf der richtigen Seite.stehen. Nur, wer sagt ihm, wo sie sich befindet? Felix, der Intellektu eile, der eigentlich Schriftsteller werden\u00a0 wolite, spielt mit seinem unbedarften Partner ein grausames Spiel, das selbst vor. Mord nichtrz schreckt.<\/p>\n<p>\u201eBlindekuh&#187; ist ein reines Dialog-Drama &#8212; in einem Akt und\u00a0 nahezu\u00a0 ohne \u00e4u\u00dfere Handlung. Das ist si- eher nicht leicht in Szene zu setzen\u00a0 \u00a0Mancher\u00a0 Regieeinfall\u00a0\u00a0 verdeutlicht dann auch eher diese Schwierigkeit, als da\u00df er etwas \u00fcber den Charakter der Rollen verriete oder den Fort &#8212; gang des St\u00fccks f\u00f6rderte. Zudem \u00a0st\u00f6rt ein wenig die Diskrepanz zwisehen dem klaren norddeutschen, leicht humoristisch wirkenden Ak zent Michael Webers und der unge w\u00f6hnlich\u00a0 vulg\u00e4ren\u00a0 Sprache seiner Rolle.\u00a0\u00a0 Das\u00a0 intensive\u00a0 Spiel\u00a0 Armin Rohdes vermag das nicht ganz wett zumachen.<\/p>\n<p>Die Premiere, im Bochumer \u201eThea ter unten&#187; war zugleich die deutsche Erstauff\u00fchrung des St\u00fccks. Sein \u00a0hierzulande unbekannter. Autor stammt aus Kasachstan und lebt heute in Paris. Der Dramaturg Dieter Welke entdeckte dort nicht nur das St\u00fcck f\u00fcr das Bochumer Schauspielhaus, sondern auch den Regisseur Bernard Sobel der \u201eBlindekuh&#187;, Frankreichi herausgebracht Jhatte. Da \u00a0Sobel sein Teater\u00a0 nicht Verlassenn konnte, fanden die Proben einfach in Paris statt. Zur Premiere war er aber doch erschienen\u00a0 und nahm den lang anhaltenden Applaus des Publikums entgegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-weight: normal;\"><em><strong>Holger Everz<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<h1><strong><span style=\"font-weight: normal;\">SONNTAGSNACHRICHTEN<\/span><\/strong><\/h1>\n<h2><strong>\u201eBlindekuh&#187; in Bochum:\u00a0T\u00f6dliches Spiel<\/strong><\/h2>\n<p>Der Titel suggeriert ein uns aus Kindertagen wohlbekanntes Spiel:. jemand\u00a0\u00a0 wird,\u00a0\u00a0 mit\u00a0\u00a0 verbundenen Aueen, von den Mitspielern immer wieder\u00a0 in\u00a0 die\u00a0 falsche\u00a0 Richtung geschickt.\u00a0 In Michail\u00a0 Volochovs \u201eBlindekuh&#187;, von Bernard Sobel in Deutscher Erstauff\u00fchrung insze niert , l\u00e4\u00dft sich einer sehenden Auge immer wieder auf die falsche Fahne locken zwischen KGB und CIA. Und mit ihm das Publikum. Was wie eine Agentenstory aus der Perestroika-Zeit der ausgehen den SOer Jahre daherkommt, ent puppt sich innerhalb zweier span nender Stunden als ein kunstvolles Verwirrspie! zwischen Realit\u00e4t und Fiktion. Im Wachraum eines Moskauer Krankenhauses f\u00fcr privile gierte\u00a0 KGB-Patienten\u00a0 entspannt sich ein grotesk-zynischer Zwei-kainpf zwischen dem als Feuer wehrmann\u00a0 jobbenden\u00a0\u00a0 schwulen j\u00fcdischen Schriftsteller Felix (Ar min Rohde h\u00e4ufig mit Gerd Vos-Attir\u00fcde) und dem Pf\u00f6rtner Arkadi\u00a0 (Michael Weber ein Naiver mit gro\u00dfen, ungl\u00e4ubigen Kinderaugen), eigentlich einem kleinen Schieber, der, um seine Familie darchzubrin-gen, das Bewu\u00dftsein dialektisch einsetzt und auch vor einem bestell ten Mord nicht zur\u00fcckschreckt.<\/p>\n<p>Wie ein Planet &#171;die Sonne umkreist der devote Speichellecker den Dichter, der sich in der neuen Freiheit nach dem Zusammen brach des totalit\u00e4ren Regimes nicht zurechtfindet und Selbstniordpi\u00e4ne schmiedet. Volochov zeichnet das Portr\u00e4t gestrandeter Existenzen, die noch ganz der Epoche des real exilierenden Sozialismus verhaftet sind. Bernard\u00a0 Sobe!\u00a0 versch\u00e4rft das Tempo,\u00a0 setzt auf Humor statt auf krude Obsz\u00f6nit\u00e4t und bringt die textlastige Zimmenchiacht auf den Punkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Pitt Hernnann<\/strong><\/em><\/p>\n<h1><span style=\"font-weight: normal;\">Bospecl<\/span><\/h1>\n<h2><strong>Blindekuh<\/strong><\/h2>\n<p>Wer \u00abBlindekuh\u00bb\u00a0spielt, bekommt die Augen verbunden, tappt relativ orientierungslos durch die Gegend, und sucht ie-manden zu lassen zu kriegen, der dann selbst die blinde Kuh spielen darf. &#171;Blin dekuh&#187;, das Zweipersonenst\u00fcck von Mich ail Volochov, das jetzt im Theater Unten seine deutscne. Erstauff\u00fchrung erleben durfte, spielt im Dunkel des Wachraums ei nes russischen KGB-Krankenhauses zur Zeit der Perestroika. Arkadi und Felix, der Pf\u00f6rtner und ein Feuerwehrmann auf Nachtschicht, bereichem sich am Volksei gentum, schlagen die Zeit tot mit gegensei tigen Ha\u00dftiraden, suchen jeder den anderen in die Enge zu treiben und k\u00f6nnen doch nicht voneinander lassen: menschliche Tr\u00fcmmer einer zerfallenden Gesellschaft, die orientierungslos zwischen nicht-mehr-Kommunismus und noch-nicht-JCapitalismus umhergeistern.<\/p>\n<p>Autor Volochov scheint auch sonst dem wahren Realismus des zerfallenden Sowjet staats auf der Spur zu sein, sprachliche Ver w\u00fcstung und brutaler Umgangston pr\u00e4gen das Bild. Proletarier Arkcdi kontert die ver meintlich intellektuelle \u00dcberheblichkeit des Freizeitdichters Felix mit einer geballten Ladung Antisemitismus, der antwortet mit Net tigkeit \u00e4hnlicher Art. Statt Kommunikation verbaler Schlagabtausch auf Niedrigstiveau.\u00a0 Ein russisches\u00a0 Doku-Drama ?\u00a0 Der Schein tr\u00fcgt &#171;Blindekuh&#187; will offensichtlich mehr als nur ein Psychogromm zweier ge scheiterter Existenzen im Schemen der Perestroika entwerfen &#8212; &#171;Blindekuh&#187; will ein unterhaltsames St\u00fcck sein, mit grotesken Un tert\u00f6nen und einem \u00fcberraschenden Plot&#8230; Und so verstrickt Felix Arkadi in sine dubio se\u00a0 Erz\u00e4hlung,\u00a0 in der er als angeblicher Agent des JCG3 Arkadi f\u00fcr den russischen Geheimdienst\u00a0 engagiert,\u00a0\u00a0 als\u00a0 angeblicher Doppelagent des KGB und CIA ihm eine Stellung beim amerikanischen Secret Servi ce anbietet und den armen Arkadi, der oh nehin nicht gerade der Ke\u00fcste ist, in ziemliche Verwirrung st\u00fcrzt. Und letzlich l\u00e4uft alles darauf hinaus, da\u00df Arkadi Felixx endlich umbringen soll, denn der Sinnlocsigkeit des eigenen Lebens eine\u00a0 Ende bereiten, das kann Felix nicht.<\/p>\n<p>Und so l\u00f6st sich, was als monstrose Beleidigungs attacke dem Zuschauer noch halb wegs nahe ging, in wohlgef\u00e4lliger Heiterheit auf. Russische Dichter hatten ja schon im mer ein Faible f\u00fcr Selbstmord&#8230; Michael We ber als Arkadi und Armin Rohde als Felix geben zwar ihr Bestes, der Abzocker-Menta-lit\u00e4t dieser russischen Underdogs authenti sches Flair zu verleihen, gegen die verquaste Dramaturgie von &#171;Blindekuh&#187; heben sie aber kaum eine Chance. Was ais Studie menschlichen und moralischen Zerfalls noch ganz nett beginnt, endet so leider nur als m\u00e4\u00dfig unterhaltsames Spielchen um KGB und CIA: gut gespielt und trotzdem schlecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>VM<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Argumente und Fakten 27.12.20<\/p>\n<p> Leben in obsz\u00f6ne Ausdr\u00fccke <\/p>\n<p>Lasst den Journalisten den Mund halten. Ich pr\u00e4sentiere euch nun die Rede eines sehr ber\u00fchmten Dramatikers. Fast schon Prominente. Der Name wird unten ver\u00f6ffentlicht. H\u00f6rt euch zun\u00e4chst die Grundsatzerkl\u00e4rung an, die mir gegeben wurde, anstatt Antworten auf meine m\u00f6glichen Fragen zu erhalten\u2026<\/p>\n<p>\u2026\u00dcber Schimpfw\u00f6rter in der Literatur<\/p>\n<p> [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":10,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-235","page","type-page","status-publish","hentry","odd"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/235","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=235"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/235\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2211,"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/235\/revisions\/2211"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=235"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}