{"id":241,"date":"2010-01-17T18:31:59","date_gmt":"2010-01-17T15:31:59","guid":{"rendered":"http:\/\/volokhov.ru\/site\/?page_id=241"},"modified":"2025-08-28T23:34:59","modified_gmt":"2025-08-28T19:34:59","slug":"%d0%bf%d1%80%d0%b5%d1%81%d1%81%d0%b0-%d1%88%d0%b2%d0%b5%d0%b9%d1%86%d0%b0%d1%80%d0%b8%d0%b8","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/volokhov.net\/?page_id=241","title":{"rendered":"\u041f\u0440\u0435\u0441\u0441\u0430 \u0428\u0432\u0435\u0439\u0446\u0430\u0440\u0438\u0438 (Swiss press)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Argumente und Fakten<\/strong><br \/>\n<strong>27.12.20<\/strong><\/p>\n<h1>Leben in obsz\u00f6ne Ausdr\u00fccke<\/h1>\n<p>Lasst den Journalisten den Mund halten. Ich pr\u00e4sentiere euch nun die Rede eines sehr ber\u00fchmten Dramatikers. Fast schon Prominente. Der Name wird unten ver\u00f6ffentlicht. H\u00f6rt euch zun\u00e4chst die Grundsatzerkl\u00e4rung an, die mir gegeben wurde, anstatt Antworten auf meine m\u00f6glichen Fragen zu erhalten\u2026<\/p>\n<p>\u2026\u00dcber Schimpfw\u00f6rter in der Literatur<\/p>\n<p>Fluchen ist eine sehr ernste Sache. Ihre Ernsthaftigkeit zeigt sich im kritischen Moment, in dem es verwendet wird. Nat\u00fcrlich wird Fluchen, genau wie Beleidigungen, vulgarisiert, aber das beruht auf einem v\u00f6lligen Missverst\u00e4ndnis des Fluchens als Prinzip. Fluchen ist sehr geizig mit Ausdr\u00fccken, aber es ist ein erhabenes, weitreichendes Konzept, das \u2013 wohlgemerkt \u2013 mathematische Kriterien in sich tr\u00e4gt, sagen wir: drei-, f\u00fcnfst\u00f6ckige Schimpfw\u00f6rter zu fluchen. Fluchen enth\u00e4lt den Begriff des Wortes Atom, Meta, Tod, Metaphysik. Es ist sehr konzertiert, und wenn ein Mensch eine gewisse Peinlichkeit, enorme Spannung erlebt, wenn er in ein so klares Raster ger\u00e4t,\u00a0wird\u00a0Fluchen f\u00fcr ihn zu einem angemessenen Ausdrucksmittel. Aber die Verwendung solcher Worte ist ein sehr ernstes Ma\u00df an Verantwortung. Denn grunds\u00e4tzlich liegt das Fluchen im Reich des Schweigens \u2013 dieser heiligen Handlung. Es kann unausgesprochen bleiben, denn es ist eine Wortform der Hoffnungslosigkeit. Fluchen ist ein heiliges Wort. Ein starkes St\u00fcck hat keine Angst vor heiligen Worten \u2013 es ist ihnen gewachsen. Wer einem St\u00fcck mit einem \u201eBed\u00fcrfnis nach Wahrheit\u201c zuh\u00f6rt, akzeptiert das Bed\u00fcrfnis nach angemessenen, starken Worten. In der wahren Kunst, insbesondere im Drama, wird das Werk aus den nat\u00fcrlichen S\u00e4ften der Sprache geformt. Nicht umsonst hat man im Theater bei talentloser, grauer Kunst das Gef\u00fchl, verflucht zu sein, ohne zu fluchen. Denn Fluchen ist der letzte extreme Hinweis, wie man aus einer Situation und einem Chaos herauskommt, das immer eine konkrete Bedeutung hat.\u00a0Sprache\u00a0kennt keine Sackgassen \u2013 sie ist ein Universum, aus dem es immer einen Ausweg gibt. Und das ist die Essenz. Es gibt keine S\u00fcnde \u2013 es gibt Sterilit\u00e4t des Geistes. Und Fluchen ist der\u00a0Schl\u00fcsselhinweis\u00a0zum Ausweg aus einer Situation: die Geburt eines Bildes, worin die S\u00fcnde besteht. Und man muss sich Schimpfw\u00f6rter anh\u00f6ren k\u00f6nnen. Alles andere ist erstunken und erlogen.<\/p>\n<p>&#8230;Von der hohen Mission des Theaters<\/p>\n<p>Wir haben eine gemeinsame, vulg\u00e4re Sichtweise auf das Fluchen. Wenn Fluchen ohne Bedeutung interpretiert wird, ohne bildliche Anwendung auf diese oder jene Tatsache, verliert es seine Bedeutung. Doch in Wirklichkeit ist nicht das Fluchen selbst besch\u00e4mend, sondern die Tatsache, dass es das Versagen des Einzelnen offenbart. In einem bedeutungsvollen\u00a0Theatertempel<wbr \/>\u00a0wird der Prozess der menschlichen Reinigung durch den kreativen Plan des Fluchens erreicht \u2013 seine heilige Bedeutung. Fluchen ist eine Situation, in der ein Ereignis am treffendsten durch menschliche Worte beschrieben wird. Daher ist es unparteiisch, ber\u00fchrt Augen und Ohren und ist die nackteste Form menschlicher Kommunikation. Deshalb muss Fluchen verantwortungsvoll und genau sein. Es muss erlernt, verstanden und mit den h\u00f6chsten Manifestationen des menschlichen Geistes in Verbindung gebracht werden. Je mehr wir ihm zuh\u00f6ren, desto genauer und pr\u00e4ziser ist es \u2013 desto schneller werden wir unsere Fehler los. Wer sinnlos fluchte, tadelte sich selbst. Aber wenn du mit Bedeutung gehst \u2013 \u201enackt, die Eier knacken\u201c \u2013, hast du bereits auf einige Defizite in der Gesellschaft hingewiesen, auf das, was uns fehlt.<\/p>\n<p>Fluchen ist in erster Linie eine theatralische Handlung. Scham sch\u00fctzt die\u00a0Nackten.\u00a0Und es gibt ein Konzept der Scham \u2013 kein Fluchen bleibt haften. Und Fluchen bleibt haften an jemandem, der \u2026 eine S\u00fcnde begangen hat.<\/p>\n<p>&#8230;\u00dcber den Umgang mit Problemen<\/p>\n<p>WEIL Probleme nicht erlebt werden. Probleme werden ausgelebt. Das ist die Essenz des Fluchens. Es strebt nach Selbstzerst\u00f6rung \u2013 es ist an Selbstaufopferung gew\u00f6hnt, an das Ausleben seiner selbst. Und indem wir es mit Respekt behandeln, erkennen wir unser Recht an, die S\u00fcnde zu sehen, sie zu benennen, Bu\u00dfe zu tun, sie zu durchleben und auszuleben.<\/p>\n<p>P.S. Nun darf ich Ihnen vorstellen: den Dramatiker\u00a0Wolochov.\u00a0Eine europ\u00e4ische Ber\u00fchmtheit. In Europa genie\u00dft er fast den Ruhm eines Ionesco. In Moskau wurde er erst durch das Skandalst\u00fcck \u00abBlindekuh\u00bb (der Text bestand fast ausschlie\u00dflich aus Schimpfw\u00f6rtern) und das nicht minder scharfe neue St\u00fcck \u00abTschikatilos Exekution\u00bb (Regie: Andrei Schitinkin) ber\u00fchmt. In seinen St\u00fccken ist der Dramatiker Wolochow ein Rebell, ein konzeptioneller Autor mit einer wahrhaft\u00a0shakespearehaften\u00a0<wbr \/>Intensit\u00e4t der Leidenschaften, der durch die Direktheit seiner Wortwahl und eine wahrhaft\u00a0dostojewskische\u00a0<wbr \/>Bandbreite verdammter Fragen erzittert, denen er den Zuschauer nicht entgehen l\u00e4sst. Auf der B\u00fchne beweist jedes St\u00fcck Wolochows dem Zuschauer \u00fcberzeugend, dass es, egal wie man rennt, kein Entkommen vor der Frage \u201eSein oder Nichtsein?\u201c gibt. Man muss f\u00fcr die Fehler seiner Vorfahren bezahlen und sich f\u00fcr die Geschichte verantworten, die nicht von uns gemacht wurde. Und das tut nat\u00fcrlich weh. Denn es kann nicht anders, als wehzutun, wenn einem die Erkenntnis der Schuld ohne Bet\u00e4ubung eingeh\u00e4mmert wird\u2026<\/p>\n<p>Der einzige Trost dabei ist, dass der Dramatiker Wolochow im Leben unglaublich zivilisiert ist \u2013 er l\u00e4uft Marathons,\u00a0fastet\u00a0nach dem Bragg-System und achtet sorgf\u00e4ltig auf seine Gesundheit. Er ist modisch gekleidet, hat einen gepflegten Haarschnitt und tr\u00e4gt einen Rucksack auf dem R\u00fccken&#8230; Im Leben ist Wolochow ein ewiger Eurostudent, der seine Zeit in philosophischen Pariser Caf\u00e9s verbringt, mit fortschrittlichen franz\u00f6sischen Intellektuellen verkehrt und seine Sommerferien an der C\u00f4te d&#8217;Azur verbringt. Und seine Frau ist nat\u00fcrlich Franz\u00f6sin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><span style=\"font-weight: normal;\">Die Ostschweiz<\/span><\/h1>\n<h2><strong>Obsz\u00f6nit\u00e4ten aus der Moskauer Unterwelt im St. Galler Postturm<\/strong><\/h2>\n<p>ST.GALLEN. Von Rohheit und Gewalt in der Moskauer Un terwelt handelt \u00abBlindekuh\u00bb des kasachischen Theaterau tors Michail Wolochow. In ei\u00adner Inszenierung des Theaters \u00abpupille\u00bb harte das kraftvollgrobe Zweipersonenst\u00fcck am Samstag als Schweizer Erstauff\u00fchrung Premiere.<\/p>\n<p>Nach dem Aufstieg \u00fcber Holz treppen in den 60 Meter hohen Turm der St. Galler Hauptpost &#8212; dort hat die \u00abpupille\u00bb ihre Theaterb\u00fchne aufgebaut &#8212; ging&#8217;s sogleich wiederweit, weit nach unten: Das Publikum wurde f\u00fcr anderthalb Stunden in die Unterwelt Moskaus entf\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u00abBlindekuh\u00bb spielt dort in einem Raum der stadtischen Werke neben der Leichenhalle eines KGB-Spitals. Pr\u00e4pariert werden aber nicht Leichen, sundern die Seelen zweier Lebender, n\u00e4mlich von Arkadi (gespielt von Bj\u00f6rn Freiberg), einem als W\u00e4chter angestell ten ukrainischen Proletarier, und von Felix (Roberte Guerra), einem j\u00fcdi schen Intellektuellen und herunterge kommenen Dichter, der als Feuerwehr mann jobt.<\/p>\n<p>In einer groben Sprache voller Pro vokationen und Obsz\u00f6nit\u00e4ten erz\u00e4hlen sich die beiden Antihelden Geschichten \u00fcber sexuelle Brutalit\u00e4ten und Mordta ten. Es zeigt sich, dass Felix mit seinem Gegen\u00fcber \u00abBlindekuh\u00bb spielt: Einmal l\u00e4sst er Arkadi glauben, er sei ein KGB-Agent. Dann blufft er, indem er sich als CIA-Mann gibt, der f\u00fcr die Amerikaner arbeitet.<\/p>\n<p>Arkadi wechselt seine \u00dcberzeugung, so oft ihm dies dienlich scheint, wenn Felix ihm ein Gesch\u00e4ft verspricht. Ob KGB oder CIA, Kommunismus oder Kapitalismus, ist ihm egal, sobald ein paar Rubel winken. Seine Anpassung gehl so weit, dass er dem homosexuel len Felix zuletzt gar seinen K\u00f6rper zu Diensten stellt. \u00abBlindekuh\u00bb entbl\u00f6sst schonungslos die Ausgeh\u00f6hltheil des heruntergekommenen Sowjetsyslems gegen Ende der Perestroika.<\/p>\n<p><strong>Vulg\u00e4re Sprache<\/strong><\/p>\n<p>Der Autor selirieb die Originalver sion seines St\u00fccks (\u00abVerstcckspiel mit dem Tod\u00bb) 1987 nach\u00a0seiner Emigrati on in Frankreich. Als Sprachstil ver wendete er \u00abMal\u00bb, den vulg\u00e4ren Slang der\u00a0russischen Unterwelt, den Jargon der Str\u00e4flinge, heute aber auch Gassen sprache der Jungen.\u00a0Regisseur Marco Giacopuzzi faszinierte am St\u00fcck diese kraftvolle Sprache.<\/p>\n<p>In der \u00dcbersetzung von Dieter Welke t\u00f6nt dieser Slang zum Beispiel so: Arkadi: \u00abHast du n&#8217;Arsch offen, du Pisser?\u00a0Stell erst mal die Fressalien in den K\u00fchlschrank!\u00bb &#8212; Felix: Leck mich am Arsch.\u00bb Dass solche Sprache an der Premiere auf die Dauer nicht erm\u00fcdend wirkte, lag an den konzentrierten Lei stungen der beiden Darsteller, wenn auch ihre Artikulation nicht immer bis ins Detail verst\u00e4ndlich war.<\/p>\n<p><strong>Menschen ganz unten<\/strong><\/p>\n<p>\u00abAlles, was in Russland geschehen ist, ist ein grosses Ungl\u00fcck, aber ich habe erreicht, dieses Ungl\u00fcck zu ge brauchen\u00bb, sagt Autor Michail Wolochow (geboren 1955), der \u00fcber Mu ren, M\u00f6rder und Gangster schreibt.<\/p>\n<p>Sein Interesse gilt den Menschen \u00abganz unten\u00bb, den am meisten Verachteten in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Dieses \u00abganz unten\u00bb findent irn B\u00fch nenbild der \u00abpupille\u00bb (Andreas Hunziker) eine treffende Veranschaulichung: Der weissgekachelte, schmutzige Wachraum befindet sich unter dem Pu blikum, es blickt von oben von vier Sei ten in die Versenkung. Dies bietet eine ungewohnte, spannende Optik. Dane ben n\u00f6tigt der Guckkasten das Publi kum aber zu l\u00e4stigen Halsverrenkungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>MICHAEL NYFFENEGGER<\/strong><\/em><\/p>\n<h1><span style=\"font-weight: normal;\">Obertoggenburger<\/span><\/h1>\n<h2><strong>Ein russisches Theaterst\u00fcck im Postturm<\/strong><\/h2>\n<p>Die St Galler Theatergrup pe \u00abdie pupille\u00bb spielt ab 16. September das St\u00fcck \u00abBlin dekuh\u00bb des russischen Au tors Michail Wolochow. Als Spielort hat sich die Gruppe erneut einen ganz besonde ren Ort ausgesucht: Hinter den Zifferbl\u00e4ttern der Uhr des St Galler Postturms.<\/p>\n<p>Nach den letzten beiden grossen Inszenierungen der St. Galler Theater-gruppe die\u00a0\u00abpupille\u00bb in einer Olma-Halle und in der Lok-Remise im Areal des Hauptbahnhofs zeigt die Gruppe nun ein Zweipersonenst\u00fcck. Autor ist der von der Fachpresse als \u00abEntdek-kung\u00bb gefeierte 40j\u00e4hrige Russe Mi chail Wolochow. Nach einem Chemie-und Mathematikstudium arbeitete Wo lochow zuerst als Ingenieur, doch seine Karriere scheiterte am russischen Anti semitismus. Wolochow studierte sp\u00e4ter noch Theaterwissenschaften und wur de in den achtziger Jahren in der Mos kauer Untergrundszene als Autor be kannt. Seit 1987 lebt er &#8212; mit eine Fran z\u00f6sin verheiratet &#8212; in Marly-la-Ville bei Paris. Sein neuestes zeitgen\u00f6ssisches St\u00fcck. \u00abDer grosse Tr\u00f6ster\u00bb, wurde k\u00fcrzlich in Moskau uraufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u00abBlindekuh\u00bb wurde auf Deutsch schon in Bochum gespielt. In der Schweiz bekam \u00abdie pupille\u00bb die Rech te f\u00fcr die Erstauff\u00fchrung und der Autor wird zur Premiere nach St. Gallen kommen. Das St\u00fcck handelt von zwei Nachrw\u00e4chtern eines KGB-Kranken-hauses, die sich mit abstrusen und teil weise grausamen \u00abPsychospielen\u00bb die Langeweile vertreiben. Geschrieben ist das St\u00fcck im russischem Slang \u00abMal\u00bb, der Sprache der Unterwelt und der Sytemkritiker, die heute vor allem vonl den Jungen verwendet wird. Die deutsche \u00dcbersetzung versucht, dieser Gassensprache m\u00f6glichst nahezukom- men.<\/p>\n<p>Gespielt werden die beiden Rollen, von Bj\u00f6rn Freiberg und Roberte Guerra, die beide schon in der letzrjahrigen \u00abpupille\u00bb-lnszenierung von \u00abA Clockr work Orange\u00bb mitgespielt harten. \u00abBlindekuh\u00bb wird an einem spektaku l\u00e4ren Ort gespielt: hinter den Ziffer bl\u00e4ttern des machtigen St. Galler Post\u00adturms. Die Post unterst\u00fctzt die Theater gruppe aktiv: \u00abWir wollen zeigen, dass die Ostschweiz kein kultureller Holz boden ist\u00bb, kommentierte Post-Vertre\u00adter Toni Inauen. Und \u00abpupille\u00bb &#8212; Leiter Marco Giacopuzzi lobte die Post f\u00fcr ihr grosses Engagement: Mit dem Billett-verkauf am Dringlichkeitsschalter, mit der Gratis-Vorverkaufs-Telefonnum-mer ISS 62 66, mit Werbung in 100 Poststellen der Region St. Gallen und vor allem mit der kostenlosen \u00dcberlas sung der R\u00e4ume werde hier vorbildli ches Kulrursponsoring geleistet.<\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1><span style=\"font-weight: normal;\">Appenzeller Zeitung<\/span><\/h1>\n<h2><strong>\u00abBlindekuh\u00bb auf 55 Metern H\u00f6he<\/strong><\/h2>\n<p>Das Theater \u00abdie pupille\u00bb zeigt die Erstauff\u00fchrung im Turm der Hauptpost\u00a0St. Gallen. In einer Schweizer Erstauff\u00fchrung gelangt am Samstag, 16. September (20.15 Uhr), hinter den Zifferbl\u00e4ttern der 55 Meter hohen Uhr des Postturms \u00abBlindekuh\u00bb zur Auff\u00fchrung. Das Theater \u00abdie pupille\u00bb zeigt dieses St\u00fcck insgesamt zefin Mal.<\/p>\n<p>Ausgefallene Spielorle sind f\u00fcr das Theater \u00abdie pupille\u00bb nichts Ausserge-w\u00f6hnliches. Die Auff\u00fchrung auf einer H\u00f6he von 55 Metern garantiert trotz dem eine einzigartige Kulisse. \u00abBlin dekuh\u00bb, 1993 in Moskau uraufgef\u00fchrt, ist das erste ins Deutsche \u00fcbersetzte St\u00fcck des russischen Dramatikers Mi chail Wolochow.<\/p>\n<p>Das Zweipersonenst\u00fcck spielt in einem Keller neben der Leichenhalle eines Spitals des sowjetischen Geheimdien stes (KGB). Der intellektuelle Feuer wehrmann Felix (Roberte Guerra) und der ukrainische Pf\u00f6rtner Arkadi (Bj\u00f6rn Freiberg) vertreiben sich die Zeit mit ei nem brutalen Spiel: Pers\u00f6nlichkeitsaus treibung oder R\u00fcckgratfahndung. Felix, der Arkadi zu einem Mord angestiftet hat. wirbt f\u00fcr KGB und CIA und spielt nicht nur mit Arkadi, sondern auch mit dem Publikum&#8230;<\/p>\n<p><strong>Treppensteigen<\/strong><\/p>\n<p>Diese Erstauff\u00fchrung ist f\u00fcr \u00abdie pupil le\u00bb die letzte Produktion in St.Gallen. \u00abUns darf man aber nicht aus den Au gen verlieren, denn wir bleiben beste hen\u00bb, so Marco Giacopuzzi, der f\u00fcr die Inszenierung verantwortlich ist. Die Vorbereitung f\u00fcr die Premiere vom Samstag. 16. September, laufen auf Hochtouren. \u00abGanz unproblematisch ist dieser Auff\u00fchrungsort nicht, denn die Helfer m\u00fcssen das Material einige Treppenstufen aufw\u00e4rts tragen\u00bb, erkl\u00e4r\u00adte Giacopuzzi an der Pressekonferenz von gestern Dienstag. F\u00fcr die Auf f\u00fchrungen wird eine dem Raum angepasste Arena-B\u00fchne erstellt, die 50 Per\u00adsonen Platz bietet.<\/p>\n<p><strong>Sp\u00fcrbares Sponsoring<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich wollte \u00abdie pupille\u00bb schon nach der letzten Auff\u00fchrung (\u00abClock-work\u00a0orange\u00bb) aufh\u00f6ren. Nach dieser Produktion seien sie n\u00e4mlich in ein fi nanzielles Fiasko geraten. \u00abDank viel Gl\u00fcck und Glaube an die Arbeit haben wir das Riesenloch bew\u00e4ltigen k\u00f6n nen\u00bb, sagte Giacopuzzi \u00abEin derart sp\u00fcrbares Sponsoring wie seitens der Kreispostdirektion St.Gailen haben wir noch nie genossen\u00bb, freute er sich. Die Hauptsponsorin stellt dem Theater die R\u00e4ume sowie bei rund 100 Poststellen in der Region Werbefl\u00e4chen zur Verf\u00fc gung. Zudem hat sie eine Gratistelefonnummer f\u00fcr den Vorverkauf eingerichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>Anita Weishauft<\/strong><\/em><\/p>\n<h1><span style=\"font-weight: normal;\">TAGBLATT<\/span><\/h1>\n<h2><strong>Kampf mit F\u00e4usten und Gedanken<\/strong><\/h2>\n<p>Michail Woiochows \u00abBlindekuh\u00bb in der Auff\u00fchrung des St.Galler Theaters \u00abPupille\u00bb<\/p>\n<p>\u00abBlindekuh\u00bb des jungen russischen Autors Michail Wolochow hatte am Samstag im Turm der StGailer Hauptpost Premiere. Mit dieser von Mar co Giacopuzzi inszenierten schweizerischen Erstauff\u00fch rung kfindigt das Theater \u00abPu pille\u00bb seinen Abschied von StGailen an.<\/p>\n<p>Moskau, Mitte der achtziger Jahre: Zwei junge Mannet schienen in einem Wachlokal Schicht. Felix ist Feuerwehr mann, erfolgloser Dichter, J\u00fc disch und schwul, Arkadi ein ungeschlachter,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 anpasserischer Junge, der einzig seine\u00a0 Arme und F\u00e4uste als \u00abArgumentationshilfe\u00bb zur Verf\u00fcgung hat. Der Konflikt zwlischen ihnen ist so gut wie vorprogrammiert. Das Zweiper sonendrama \u00abBlindekuh\u00bb ist ein von Hassliebe gepr\u00e4gtes Wechselspiel\u00a0 gegenseitiger Bewunderung und Verach tung zwischen zwei Aussenseitern.<\/p>\n<p>Der eine bewundert im an deren, was ihm fehlt &#8212; Kraft dem Intellektuellen, Geist dem Brutalen -, und kann es doch nicht achten. Denn jeder muss den anderen erniedrigen, um sich \u00dcberlegen f\u00fchlen zu k\u00f6n nen. Dabei erweist sich der In tellektuelle als nur scheinbar \u00fcberlegen&#8230;<\/p>\n<p>Das manipulierte Instrument soll ihm vielmehr dazu die nen,\u00a0 einer Gesellschaft zu ent fliehen, in der die Niedertracht seit Jahrhunderten zur Macht erhaltung geh\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Im Untergrund der Macht<\/strong><\/p>\n<p>Der jetzt in Frankreich le bende 40j\u00e4hrige Russe Michail Wolochow\u00a0hat mit seinem Zweipersonenst\u00fcck ein Bild der Verkommenheit im Zen trum des sowjetischen Macht apparates geschrieben. Nicht von oben,\u00a0 sondern von ganz unten. Schon der Handlungs ort erweckt Schaudern. Der Wachraum liegt neben der Leichenhalle, eines Spitals f\u00fcr KGB-Funktion\u00e4re. Dort kann keine menschliche W\u00e4rme aufkommen. Es erstaunt wenig,. dass die Moskauer Urauf f\u00fchrung, wie gemeldet wird, vor zwei Jahren einen Skandal provozierte.<\/p>\n<p>Im hohen, engen Raum im Turm der Hauptpost, auf der H\u00f6he der Uhr, hat Andreas Hunziker ein ad\u00e4quates B\u00fch nenbild geschaffen: einen kleinen Raum, weissgekachelt und kalt, vor Dreck starrend. Das Publikum sitzt erhaben \u00fcber dem Geschehen, blickt von zwei Etagen hinab in die Arena und auf den Kampf der beiden Gladiatoren.<\/p>\n<p>Diesen Kampf Inszeniert Regisseur Marco Giacopuzzi schnell, laut, so unzimperlich, wie es schon von der russi schen Gossensprache her vorgegeben ist. Er vermaidet es, mit einer allzu \u00e4sthetischen Inszenierung die Gewalt der Handlung zu verharmlosen. Gleichzeitig verschont er das Publikum vor einem Schwall von Brutalit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Spannung &#8212; fiben Ende hinaus<\/strong><\/p>\n<p>Roberte Guerra (Felix) und Bj\u00f6rn Freiberg (Arkadi halten mit dem Hin-und-Her ihres Spiels die Spannung wahrend des ganzen Abends aufrecht. Das Hauptelement der Span nung liegt darin, dass nicht nur Felix mit Arkadi \u00abBlinde kuh\u00bb spielt, sondern euch der Autor mit dem Publikum. Es kann nie recht unterscheiden zwischen Realit\u00e4t und Fabu liererei im St\u00fcck. Schauspieler und Regie f\u00e4hren es beinahe an der Nase bis zum H\u00f6he punkt der Spannung. Diese wird nicht gel\u00f6st sondern bleibt im Dunkel des Spielendes stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong>BEAT WAGNER<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Argumente und Fakten 27.12.20<\/p>\n<p> Leben in obsz\u00f6ne Ausdr\u00fccke <\/p>\n<p>Lasst den Journalisten den Mund halten. 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H\u00f6rt euch zun\u00e4chst die Grundsatzerkl\u00e4rung an, die mir gegeben wurde, anstatt Antworten auf meine m\u00f6glichen Fragen zu erhalten\u2026<\/p>\n<p>\u2026\u00dcber Schimpfw\u00f6rter in der Literatur<\/p>\n<p> [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":10,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-241","page","type-page","status-publish","hentry","odd"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/241","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=241"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/241\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2139,"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/241\/revisions\/2139"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/10"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/volokhov.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=241"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}